|
|
Letzte Aktualisierung: 24.01.02 Heinz PutzhammerHeinz Putzhammer gehört zu den Vertretern der Gewerkschaften. Er ist der Ersatzmann für Frank Bsirske, dem Grünen-Mitglied und Vorsitzenden der größten Einzelgewerkschaft Verdi, der ursprünglich in den Ethikrat berufen werden sollte. Putzhammer, der 60-Jährige gebürtige Oberbayer und gelernte Lehrer, ist Mitglied des Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Wirtschafts-, Tarif- und Umweltpolitik gehören ebenso zu seinen Aufgaben wie Strukturpolitik und Handwerk. Er ist bereits seit 1968 Mitglied in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). 1977 wurde er Vorsitzender des GEW-Landesverbandes Bayern und 1980 Mitglied im Geschäftsführenden GEW-Vorstand. 1997 wurde Putzhammer als stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gewählt. Derzeit ist er Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU sowie Mitglied verschiedener Beratungsgremien der Bundesregierung, wie der von Bundesinnenminister Schily berufenen Zuwanderungskommission und des Rates für Nachhaltigkeit Außerdem ist er Mitglied der SPD. Laut einer Pressemitteilung PM 102 des DGB vom 30.03.2001 zu seinem 60-ten Geburtstag gilt Putzhammer als
"intellektueller Gewerkschafter mit analytischem Sachverstand. Die Kritische Theorie
der Frankfurter Schule ist ihm eben so wenig fremd wie das detailgenaue Aufarbeiten von Berichten und
Gutachten. Wirtschafts- und gewerkschaftspolitisch versteht er sich als kritischer Modernisierer."
Quelle: Biografie von Heinz Putzhammer auf der Homepage des DGB
Antworten auf bioethische Fragen Nachdem lange unklar war, welche Standpunkte Heinz Putzhammer in bioethischen Fragen als Gewerkschaftsvorsitzender vertritt, zeichnen sich nun erste Tendenzen ab. Deutlich werden diese in einem Interview mit dem gewerkschaftlichen Info-Service "Einblick" Nr. 15/01 vom 10.09.2001 Zusammengefaßt sehen diese folgendermaßen aus: In der aktuell diskutierten Frage der Stammzellenforschung gibt es noch keine abgestimmte gewerkschaftliche Position. Er sei daher von der Zeitung "Die Woche" insofern richtg als unentschlossenes Mitglied im Ethikrat eingestuft worden. Er selbst vertritt zur Frage des Stammzellenimports die Auffassung, dass das Gesetz diesen zwar nicht ausdrücklich verbiete, aber es sei fraglich, ob er ethisch zulässig ist. Das sei umstritten. Das Bundesverfassungsgericht habe zum Schwangerschaftsabbruch ausdrücklich festgestellt, dass Menschenwürde auch schon dem ungeborenen Leben zukommt. Das Embryonenschutzgesetz gehe davon aus, dass menschliches Leben ab der Verschmelzung von Ei und Samenzelle unter den Schutz der Menschenwürde fällt. Daraus ergebe sich das Verbot einer Gewinnung von embryonalen Stammzellen, da sie nicht der Erhaltung des Embryos dient. Er stellt daher die Frage: "Ist es unter diesen Voraussetzungen ethisch zulässig, embryonale Stammzellen einfach zu importieren, deren Gewinnung hier in Deutschland verboten ist, und dann mit ihnen hier zu arbeiten?" Was den Import von Stammzellen zur Züchtung von Ersatzgewebe anbelangt, so lautet für ihn die Grundsatzfrage: "Darf man ein ethisch wünschenswertes Ziel mit ethisch umstrittenen Methoden zu erreichen versuchen? Dazu wird die Diskussion im Ethikrat zu führen sein." Er selbst befürwortet den Ausbau des alternativen Weges der ethisch unbedenklichen Forschung mit adulten Stammzellen. Therapeutisches Klonen lehnt Putzhammer aufgrund der Tatsache, "dass Embryonen zu keinem Zweck absichtlich getötet werden dürfen" ab. Deshalb ist das therapeutische Klonen nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Dabei müsse es auch bleiben. Bezüglich der verbrauchenden Forschung mit überzähligen Embryonen hat er starke Zweifel an der Kontrolle der Herkunft. Er fragt: "Wer sagt mir, dass es sich wirklich um überzählige handelt; das steht doch nicht drauf. Vielmehr besteht die Gefahr, dass dann Frauen ausgebeutet werden als Eizellen-Lieferantinnen, um - ohne davon zu wissen oder gegen Geld - den Rohstoff für so genannte überzählige Embryonen zu produzieren." Bei der Nutzung unstrittig überzähliger Embryonen von Frauen, die zwischenzeitlich erkrankt oder verstorben sind. Diese Embryonen landen müssten wir Chancen und Risiken abwägen. Die Frage sei aber immer wieder: "Auf welchen Weg begibt man sich damit?" Bezüglich der Chancen der Biomedizin für die Bekämpfung von schweren Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Herzinfarkt, Krebs oder Aids wäre es selbstverständlich dringend wünschenswert, Krankheiten mit Methoden der Biomedizin heilen zu können. Aber der Stand der Forschung werde oft überschätzt. Konkrete Erfolge seien noch nicht in Sicht. Andererseits sei das das Prinzip von Forschung: Ob sie ihre Ziele erreiche, wisse anfangs niemand. Schröders sozialethischen Aspekt der Schaffung von Arbeit und Wohlstand durch die Biotechnologie läßt er nicht gelten. Denn auch die Ökonomie müsse sich dem Schutz der Menschenwürde unterordnen. Eine kurzfristige Schaffung von Arbeitsplätzen im großen Stil sei im Übrigen nicht im hier angesprochenen Bereich der modernen Biomedizin zu erwarten, sondern vor allem in der pharmazeutischen Anwendung der Biotechnologie. Angesprochen auf Gentests hält es Putzhammer auch für ein Unding, dass es zwar ein Embryonenschutzgesetz gibt, aber noch kein Gendatenschutzgesetz.
Überall dort, wo Einstellungsuntersuchungen stattfinden, bestehe die Gefahr, dass
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne ihr Wissen genetisch getestet werden.
Der Gendatenschutz müsse daher dringend verbessert werden, auch im Versicherungsbereich.
Fazit: Insgesamt betrachtet dürfte man Putzhammer nach diesem Interview wohl zu den Skeptikern im Nationalen Ethikrat zählen. Fragt sich nur noch, welche Position der DGB, den er dort vertritt, in den angesprochenen Fragen einnimmt. Quelle: "Einblick" Gewerkschaftlicher Info-Service Nr. 15/01 vom 10.09.2001
Kontaktadresse: Herr
Gesammelte Texte zu Heinz Putzhammer und dem DGB "Nicht absichtlich töten"
Bislang war zu ihm außer diesem Interview nichts weiter zu finden,
da er sich meines Wissens noch nicht zu einem relevanten Thema geäußert hat.
Wer diesbezüglich mehr zu ihm weiß, sollte die Infos an uns weitergeben.
Weitere interessante Meldungen und Dokumente auf der Homepage des DGB Nachhaltigkeit der Entwicklung der Biotechnologie in Deutschland
DGB: Fachdialog Biotechnologie im Bündnis für Arbeit erfolgreich
abgeschlossen.
|