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zum Nationalen Ethikrat

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Letzte Aktualisierung: 24.01.02

Prof. Dr. Peter Propping

Peter Propping ist seit 1984 Direktor des Instituts für Humangenetik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Der nachfolgende Text stammt auszugsweise aus einer Pressemitteilung vom 03.05.01 zu seiner Berufung in den Ethikrat, zur Verfügung gestellt vom Informationsdienst Wissenschaft.

Bonner Humangenetiker wird Mitglied im Nationalen Ethikrat

Datum der Mitteilung: 03.05.2001
Absender: Dr. Andreas Archut
Einrichtung: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Kategorie: überregional

(...)
Propping forscht und lehrt seit 1984 an der Universität Bonn. Er gehört zu den ausgewiesensten deutschen Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Erforschung des menschlichen Genoms. Seine Interesse gilt vor allem den genetischen Grundlagen von Krebs und von Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie beispielsweise der Epilepsie. Erst kürzlich erhielt ein von Propping koordiniertes Forscherteam eine Förderzusage in Höhe von 9 Millionen aus dem Nationalen Genomforschungsnetz für die Erforschung von Krankheiten des Nervensystems.

Nachdem er von der Entscheidung des Bundeskabinetts erfahren hatte, betonte Propping, wie wichtig ihm sei, dass der Ethikrat ein unabhängiges, nicht weisungsgebundenes Gremium ist - "Sonst hätte ich sicher nicht mitgemacht." Die Aufgabe des Rates, dem er als Fachmann für Humangenetik angehört, sieht Propping in der Politikberatung: "Wir können aufzeigen, was technisch möglich ist und Optionen für eine ethische Bewertung liefern. Entscheidungen muss die Politik aber selbst treffen."

Der gebürtige Berliner (Jahrgang 1942) hat an der Spree Medizin studiert. Nach der Promotion 1970 ging er nach Heidelberg, wo er sich 1976 für das Fach Humangenetik habilitierte. Als Heisenberg-Stipendiat war Propping in Heidelberg und Mannheim tätig, bevor er 1984 dem Ruf auf eine C4-Professur für Humangenetik an die Universität Bonn folgte. Propping war von 1990 bis 1992 Dekan der Medizinischen Fakultät der Bonner Universität. Der Vater von drei Kindern schätzt an Bonn besonders sein lebendiges universitäres Umfeld.
 

Quelle: http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=33736
Foto: Andreas Stein, Uni Bonn

 

Antworten auf bioethische Fragen

Seiner Meinung nach ist die Entschlüsselung des menschlichen Genoms für die genetische Diagnostik insbesondere komplexer erblicher Krankheiten, wie Diabetes und Geisteskrankheiten, eine "außerordentliche Hilfe" so Propping in der FAZ.

In Bezug auf Forschungen in der sogenannten psychiatrischen Genetik wird er allerdings auch immer wieder insbesondere vom Bundesverband der Psychiatrieerfahrenen heftig kritisiert. Gegen Kongresse diesbezüglich gab es massiven Widerstand (Siehe Artikel unten). Von Mitgliedern des Landesverband Psychiatrie Erfahrener Berlin-Brandenburg e.V. wird er gar als "Erbhygieniker" und "ANTI-Human-Genetiker" bezeichnet. Projekte an der Uni Bonn zur genetischen Erforschung von Epilepsie-Erkrankung und Geisteskrankheiten, wie manische Depressionen und Schizophrenie, wurden mit 9 Millionen DM durch die Bundesregierung gefördert (Siehe dazu http://www.verwaltung.uni-bonn.de/presse/pm/pm0111-01.htm

Zu diesem Thema sollte sich jeder nach durchlesen des Materials einmal ernsthafte Gedanken machen. Es soll ja niemand sagen können, er oder sie habe nicht gewußt, wer da mit in diesem Rat sitzt.

Was das Thema Gentests und Versicherungen anbelangt, so sieht Propping kaum eine große Gefahr einer Diskriminierung. Die Sorge, dass Versicherungen ihre Beiträge von der Erstellung genauer Diagnosen abhängig machten, hält der Humangenetiker zum Teil für berechtigt. Das gelte vor allem für die schon jetzt leicht zu diagnostizierenden monogenen Erbkrankheiten. Er verweist jedoch auf die angebliche Selbstverpflichtung der Lebensversicherer keine Gentests zu verlangen. Sie wollten lediglich wissen, ob sich ein Versicherter einem Test unterzogen habe, bevor er eine Versicherung abgeschlossen habe. Dies sei ein legitimes Anliegen.

Auch die Gefahr einer Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund erblicher Belastung hält er für zu hoch gegriffen. (Anmerkung: Propping ist Vorsitzender eines Arbeitskreises der Bundesärztekammer, die sich mit berufsrechtlichen Fragen der prädiktiven genetischen Diagnostik beschäftigt.) Die Konsequenzen von Gentests für das persönliche Bewußtsein des Getesteten würden dagegen besonders bei jungen Menschen viel zuwenig beachtet. In diesem Bereich müßte mehr getan werden.

Quellen: FAZ 10.05.01, http://www.psychiatrie-erfahrene.de/
und diverse weitere Arikel (siehe unten)

 

Kontaktadresse

Herr
Prof. Dr. Peter Propping
Direktor des Instituts für Humangenetik der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Universitätsklinikum Bonn
Wilhelmstraße 31
53111 Bonn
Tel.: 0228 / 287-23 46
Fax: 0228 / 287-23 80
E-Mail: propping@uni-bonn.de

 

Gesammelte Texte zu Peter Propping

http://www.iaapa.org.il/6thwoco.htm
Hier ein kleiner Hinweis zu Peter Propping als Hauptredner bei einem Kongress über Psychiatrische Genetik von 1998 und was der Bundesverband Psychiatrieerfahrene gegen psychiatrische Genetik hat. (leider nur auf Englisch)

Flyertext zum sechsten Weltkongress psychiatrischer Genetik Bonn, 6.-10.10

Wo ist das schizophrene Gen?
In Jena treffen sich am Wochenende Vertreter der Biologischen Psychiatrie und versuchen, psychische Krankheiten genetisch zu erklären. Betroffenenverbände mobilisieren dagegen
JUNGLE WORLD 30.09.98

Psychiatrische Genetik - Pränatale Gleichschaltung
Bericht von zwei Kongressen über Kandidatengene für "Schizophrenie"
Aus "Die Randschau - Zeitschrift für Behindertenpolitik" Nr. 4/98, S.46

Kartierung menschlicher Gene vorantreiben - 6. Weltkongreß für Psychiatrische Genetik
Natürlich ist die Psychiatrische Genetik an Wertfragen gebunden. Insbesondere in Deutschland trägt sie schwer an ihrer historischen Bürde. Dies war den Veranstaltern des 6. Weltkongresses der Psychiatrischen Genetik, der vom 6. - 10. Oktober in Bonn stattfand, wohl bewußt.
Bonner Universitäts-Nachrichten (BUN)Nr. 212, November 1998

Gen für manische Depression vermutlich auf Chromosom 18
Fortschritte bei Suche nach Genen, die für psychische Störungen anfällig machen
Nach Jahren der Rückschläge scheint die Suche nach Genen, die für eine erbliche Veranlagung zu einer manisch-depressiven Erkrankung verantwortlich sind, neuen Auftrieb zu erhalten. Forscher, die einen speziellen Abschnitt des Erbguts als Übeltäter ausgemacht haben, müssen nicht mehr, wie in den Achtziger Jahren häufiger geschehen, fürchten, ihre Meldung kurz darauf stillschweigend zurückziehen zu müssen.
Pressemitteilung Nr. 6/2.Mai 1997
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Schizophrenie - Über die Biochemie des Wahnsinns
Manuskript zur Sendung: ABENTEUER WISSENSCHAFT, Sonntag, 5.5.1996, 21 Uhr, SW 3
Anmerkung: Hier kommt Propping als Gast kurz zu Wort und berichtet über seine Forschung

Im Griff der Gene - Genforscher rücken den erblichen Ursachen psychischer Krankheiten zu Leibe
Von Martina Nolte
Berliner Morgenpost 03.03.99

Gentechnik hat ihren Preis: Sie fordert ein ungeheueres Maß an Moral
Bei den Bad Nauheimer Gesprächen der Hessischen Landesärztekammer haben Experten die Frage diskutiert "Was nützt die Gentechnik dem Menschen?"
Ärzte Zeitung, 17.11.1998

Der Traum vom perfekten Kind
Embryonen werden im Reagenzglas auf Erbkrankheiten untersucht. Nur die gesunden dürfen in die Gebärmutter. Ein Rückblick aus dem Jahr 2012 von Peter Propping
DIE ZEIT 06/1999
Anmerkung: Ein etwas merkwürdiger Artikel, von dem ich ehrlich gesagt nicht so recht weiß, wie man ihn interpretieren soll.

Dazu

Streit ums frühe Leben
Abtreibungspraxis und Embryonenschutz stehen in eklatantem Widerspruch zueinander
von Hans Schuh
DIE ZEIT 02/1999

Vorgeburtliche Diagnostik
Peter Propping
Vorgeburtliche genetische Untersuchungen, die Aufschluss über bestimmte, zum Teil vererbbare Krankheiten geben und zu einem Schwangerschaftsabbruch führen, sind in Deutschland erlaubt. Präimplantationsdiagnostik dagegen – Untersuchungen, die zur Folge haben, dass nur solche Embryonen in die Gebärmutter implantiert werden, die keine defekten Gene im Erbgut tragen – ist (noch) nicht zulässig.
DAS MAGAZIN, 11.Jahrg., Ausgabe 2/2000

Künftig Gentests auf monogenetische Krankheiten?
Karlsruhe (nsi). Die Sorge vieler Menschen, durch die Aufklärung des menschlichen Genoms und immer einfacher werdende, genetische Untersuchungen könnten Krankheiten schicksalhaft vorhergesagt werden, und diese Erkenntnisse dann mißbraucht werden und zu Benachteiligungen führen, hält der Bonner Humangenetiker Professor Peter Propping zum Teil für berechtigt: bei monogenen Erbkrankheiten wie Chorea Huntington. Bei den sehr viel häufigeren multifaktoriellen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen oder psychiatrischen Krankheiten sei diese Sorge jedoch unberechtigt.
Ärztezeitung, 27.09.2000

Schlau, schwul, süchtig
Das Genom könnte zeigen, wie unwichtig Gene sein können
Als kleine Sensation wurde die Nachricht nicht nur von den Medien gefeiert: Der US-Biochemiker Dean Hamer war dem "Schwulen-Gen" auf der Spur. Zumindest hatte er im Erbgut schwuler Brüder einen Abschnitt eingekreist, der auf eine solche Veranlagung hindeutete. Sollte die Suche nach den Wurzeln der Homosexualität damit ein Ende haben?
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 13.03.01

Genomforschung an der Universität Bonn gefördert
Neun Millionen Mark für die Untersuchung von Nervenkrankheiten
Mit insgesamt 30 Millionen Mark will die Bundesregierung die Erforschung genetischer Ursachen von Erkrankungen des Nervensystems in den nächsten drei Jahren fördern. Etwa neun Millionen davon und damit der größte Teil fließen an die Universität Bonn. Die Bonner Wissenschaftler profitieren damit vom neu gegründeten nationalen Genomforschungsnetz, für das das BMBF über 350 Millionen Mark bereit stellt.
PRESSEINFO UNI BONN 02.04.01

Schröder will nationalen Ethikrat einsetzen
Verabschiedung im Kabinett am Mittwoch - Designiertes Ratsmitglied Propping: Politik muss entscheiden
Von Daniel Friedrich Sturm
DIE WELT 30.04.01

30 Millionen DM für Forschung zu Nervenkrankheiten
BONN (jenn). 30 Millionen DM will die Bundesregierung der Erforschung genetischer Ursachen von Erkrankungen des Nervensystems zur Verfügung stellen.
Ärzte Zeitung, 17.05.2001
Anmerkung: Dies betrifft die umstrittene psychiatrische Genetik

Das Leben und andere Kleinigkeiten - Drei Fragen an den Nationalen Ethikrat
Eine SZ-Befragung unter allen 25 Mitgliedern sollte Klarheit darüber bringen, ob sich, wie von vielen Kritikern befürchtet, bereits jetzt in entscheidenden Punkten ideologische Fronten innerhalb des Ethikrates gebildet haben. Ein Schwerpunkt wurde bei der Embryonenforschung gesetzt. Wir fragten aber auch dezidiert nach dem Zeitpunkt des Beginns von menschlichem Leben. Elf Ethikräte erklärten sich bereit, konkret zu den folgenden drei Fragekomplexen Stellung zu nehmen:
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 30.05.01

Peter Propping - Eingehend genetisch beraten
Stellungnahmen zu den drei Fragen der Süddeutschen Zeitung vom 30.05.01
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 30.05.01

http://www.psychiatrie-erfahrene.de/PsyNetzLinksSeiten/Nachrichten.htm
Kurzbericht von der Demonstration des Landesverband Psychiatrie Erfahrener Berlin-Brandenburg e.V. gegen die Konstituierung des "nationalen Ethikrat" am 8.6.2001
Hauptkritikpunkt war Propping als "Erbhygieniker"

Dazu

Was den Prof. Propping "auszeichnet"
Text eines dort verteilten Flugblattes mit Infos zu Peter Propping

Forscher aus Bonn lokalisieren Depressions-Gen
BONN (ple). Den genetischen Ursachen bipolarer affektiver Störungen sind jetzt Bonner Wissenschaftler um den Humangenetiker Professor Peter Propping ein großes Stück näher gekommen.
Ärzte Zeitung, 18.01.2002
Ein Erbhygieniker im Nationalen Ethikrat?
Verfahren gegen Psychiatrie-Kritiker eingestellt
Fabian Kröger 26.02.2002
Als "Erbhygieniker" bezeichnen Psychiatrie-Erfahrene auf einer Webseite den Humangenetiker Peter Propping, Mitglied des Nationalen Ethikrates. Ein von Propping deshalb angestrengtes Strafverfahren wurde jetzt vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt, die moniert hatte, es handle sich um einen "Fall minderer Schwere", man hätte "Wichtigeres zu tun".
TELEPOLIS 26.02.02
Anmerkung: Sehr lesenswert!
 

Weitere allgemeine Infos

http://www.mdc-berlin.de/
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

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